Die Jagd wird stetig weiblicher – zwei Jägerinnen

sprechen über Akzeptanz und Drohungen

Nidwaldner Zeitung, August 2020

 

 Die Zahl der Frauen mit Jagdausweis nimmt zu. Die Akzeptanz ihnen gegenüber war jedoch nicht immer so hoch wie heute: Auch Drohungen musste man als Jägerin bisweilen hinnehmen. Zwei Frauen erzählen.

 

Ein bärtiger Mann mit Mütze und einem Gewehr im Anschlag: In etwa dieses Bild haben viele vor Augen, wenn sie das Wort Jäger hören. Doch dieses Bild bröckelt – und zwar seit einigen Jahren. Immer mehr Frauen finden den Weg in die Natur und hinter den Abzug. Unter den 14 Absolventen des kantonalen Jagdlehrgangs in Obwalden sind aktuell zwei Frauen (siehe Text unten). Seit 2015 erhielten gesamthaft 23 Frauen in den Kantonen Nidwalden (7), Obwalden (12) und Uri (4) ihre Jagdausweise. 

 

Eine, die im Juni 2017 ihren Jagdausweis erhielt, ist die Dallenwilerin Andrea Odermatt. «Ich kann mir gut vorstellen, dass das zunehmende Interesse von Frauen am Jagdsport mit der steigenden Medienpräsenz zu tun hat», sagt Odermatt. «Seit der ersten Wahl der ‹Schweizer Jägerin des Jahres› 2015 haben die Berichte über weibliche Jägerinnen in Zeitungen, Radios und im Fernsehen stark zugenommen – und auch die sozialen Medien tragen dazu bei, dass Frauen im Jagdsport mehr Beachtung geschenkt wird.»

 

Andrea Odermatt behauptet sich in der männerdominierten Welt der Jagd. (Bild: PD)
Andrea Odermatt behauptet sich in der männerdominierten Welt der Jagd. (Bild: PD)

 

Als Jägerin ist man willkommen

 

Die Zahlen des Bundesamts für Umwelt unterstreichen Odermatts Aussage: In den Jahren 2016 und 2017 wurde mit schweizweit 208 patentierten Jungjägerinnen der grösste Anstieg vermerkt. Zum Vergleich: 2014 und 2015 erhielten 118 Jägerinnen ihren Jagdausweis. Und wie fühlt sich die 25-jährige Odermatt in der «Männerwelt»?

 

«Die Jagdgesellschaft ist schon länger keine reine Männerdomäne mehr.

Der Wandel der Zeit brachte eine grosse Akzeptanz gegenüber Frauen im Milieu mit sich, und ich werde überall offen und herzlich empfangen.»

Man freue sich gar, sie als Jägerin bei Veranstaltungen wie Turnieren willkommen heissen zu dürfen.

 

Doch das war nicht immer so. Jägerin Monika von Moos (70) aus Sachseln ist eine alteingesessene Jägerin. Dutzende Überbleibsel von Wildtieren zieren ihre Jagdstube. Sie kennt die Zeit, als Frauen bei der Jagd noch nicht gerne gesehen waren. «Früher musste ich mich ständig beweisen und wurde oft schräg angeschaut», erzählt sie. In ihrem Ausbildungsjahr 1977 bis 78 war sie neben rund 30 jungen Männern die einzige Frau. «Wenn es dann um Gruppenarbeiten oder Ähnliches ging, wollte man oft nicht mit mir zusammenarbeiten», erinnert sie sich. Sie wird nachdenklich. Einmal sei sie gar von einem Jäger bedroht worden, der am gleichen Ort wie sie Wild erlegen wollte:

 

«Der meinte dann, wenn ich am kommenden Tag wieder an diesem Platz sei, würde ich nie wieder jagen. Ich wusste nicht genau, was er damit meinte. Wollte der mich etwa erschiessen?»

 

Schliesslich fängt die bodenständige Frau aber zu lachen an. «Kein Spass: Ab dem ersten Jagdtag beginnen diese Männer zu spinnen.»

 

Immer mehr Frauen erlangen das Jagdpatent. Monika von Moos aus Sachseln tat dies schon in den 1970er-Jahren. Das Bild entstand 1995. (Bild: PD)
Immer mehr Frauen erlangen das Jagdpatent. Monika von Moos aus Sachseln tat dies schon in den 1970er-Jahren. Das Bild entstand 1995. (Bild: PD)

 

Von Moos weiss: Heute haben es Frauen einfacher, das Jagdbrevet zu erlangen. Es sei der Wandel der Zeit – und oft eine Familienangelegenheit. «Wer aus einer Jägerfamilie stammt, wird oft schon früh mit dem Thema konfrontiert.» So kennt von Moos eine Familie mit drei Mädchen, die mittlerweile alle die Prüfung absolviert haben. «Es kann aber auch sein, dass man als Partnerin eines Jägers Interesse dafür entwickelt.»

 

Kein «wahlloses Abknallen des Wolfes»

 

Wer mit den beiden Jägerinnen spricht, kommt nicht drum herum, die nationale Vorlage zur Anpassung des Jagdgesetzes anzusprechen, über die Ende September abgestimmt wird. Es erstaunt nicht, dass sie eine Annahme empfehlen. Die junge Andrea Odermatt sagt: «Natürlich bin auch ich der Meinung, dass es für alle Tiere Platz haben soll. Jedoch ist der Konflikt zwischen Wolf und Mensch ein ernsthaftes Problem.» Sie beteuert, dass es nicht um ein «wahlloses Abknallen des Wolfes» ginge. Man wolle schneller reagieren, wenn der Wolf zur Gefahr werde. «Niemandem ist wohl dabei, wenn der Wolf im eigenen Quartier umherschleicht.» Die erfahrene Monika von Moos meint dazu: «Wenn jährlich ein bis zwei Wölfe geschossen würden, bedeute dies noch nicht die Ausrottung des Tieres.»