Hundert Jahre Vereinsgeschichte – die nicht gefeiert werden konnten

Der Frauenbund Nidwalden hätte im Jahr 2020 seine hundertste Generalversammlung abgehalten – würde derzeit nicht eine Pandemie den Trott des Alltags aus den Angeln heben. Präsidentin Vreni Niederberger-Jucker aus Dallenwil über ein enttäuschendes Jahr und die Lichtblicke im 2021.

 

Zuerst sei sie skeptisch gewesen, als die Zeitung anrief, erzählt Vreni Niederberger. Was solle sie denn schon gross erzählen aus diesem Jahr. Es sei ja kaum etwas passiert. «Aber jetzt finde ich es schön, dass man an uns gedacht hat.» Vreni Niederberger ist Präsidentin des Vereins Frauenbund Nidwalden. Der Kantonalverband des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF setzt sich für die Anliegen von Frauen, deren Familien und von sozial Schwächeren ein. Seit genau einhundert Jahren. «Wir hätten dieses Jahr unsere hundertste Generalversammlung abgehalten», so Niederberger. Ihre Enttäuschung ist nicht zu überhören.

 

Für die Jubiläums-GV habe man sich etwas Spezielles überlegt, erzählt sie. «Geplant war ein Mittagessen mit Rahmenprogramm sowie ein Besuch im Theater Ballenberg.» Natürlich fiel beides ins Wasser. «Immerhin konnten wir im Sommer unser Vorstandstreffen fast wie geplant durchführen. Die Herbstkonferenz mit dem Schweizerischen Dachverband fand dann aber via Zoom statt.» Man habe sich also zu helfen gewusst.

 

Das Beste rausgeholt

 

Der grösste Verlust ist für die Präsidentin aber das Ausbleiben des jährlichen Frauezmorge Anfang November gewesen. «Das Zmorge ist jeweils das Highlight des Vereinsjahres», so Vreni Niederberger. «Eingeladen sind alle Frauen aus dem Kanton Nidwalden, und es ist immer sehr gut besucht.» Den Anlass abzusagen, habe wehgetan. Und trotzdem habe man versucht, das beste aus der Situation zu machen. So wurde im 2020 ein Lesezirkel für Frauen auf die Beine gestellt, der grossen Anklang fand.

 

Der Vorstand des Vereins Frauenbund Nidwalden. Von links: Berta Christen, Vizepräsidentin, Vreni Niederberger, Präsidentin, Marcelle Berlinger, Geschäftsstelle, Susanne Frey, Finanzen. (Bild: PD)
Der Vorstand des Vereins Frauenbund Nidwalden. Von links: Berta Christen, Vizepräsidentin, Vreni Niederberger, Präsidentin, Marcelle Berlinger, Geschäftsstelle, Susanne Frey, Finanzen. (Bild: PD)

 

Zwar kann der Frauenbund Nidwalden auf kein ereignisreiches Jubiläumsjahr zurückblicken, aber dennoch auf hundert Jahre Vereinsgeschichte. Gleich der Philosophie des Dachverbands hat sich auch der Frauenbund Nidwalden 1920 zum Ziel gesetzt, das Frauenbild zu stärken und die Ortsvereine innerhalb des Kantons miteinander zu vernetzen. Mit Erfolg, denn heute zählt der Frauenbund Nidwalden rund 4700 Mitglieder aus allen elf Gemeinden. Und genau diese Vernetzung müsse aufrechterhalten und weiter gefördert werden, so Niederberger. Nur sei das in Zeiten von Corona besonders schwierig.

 

Besonders harte Zeit für Vereine

 

«Vereine hatten es schon vor Corona nicht leicht. Sie kämpften mit zahlreichen Austritten und schwindenden Mitgliederbeiträgen», erzählt Niederberger. Sie befürchtet, dass die Lage nun noch prekärer werden könnte. «Viele Leute könnten plötzlich denken, dass sie ihren Verein ja eigentlich gar nicht brauchen. Weil sie ihn die vergangenen paar Monate nicht vermisst haben.» So würden sich Menschen immer mehr zurückziehen. Dabei seien gerade Vereine ein wichtiger Antrieb für das soziale Zusammenleben.

 

«Die aktuelle Situation fördert die Vereinsamung jedes Einzelnen enorm», sagt die Präsidentin. Berufstätigen Menschen falle das weniger auf, denn bei ihnen laufe immer etwas und abends seien sie froh um die Zeit für sich selbst. «Aber dann kommt die Pensionierung und plötzlich ist man allein.» Um dieser Vereinsamung entgegenzuwirken und um das gesellschaftliche Leben zu fördern, brauche es die Ortsvereine. «Wir hoffen sehr, dass sich auch dem Frauenbund weitere Frauen anschliessen, die auch bereit sind, im Vorstand mitzuwirken.» Derzeit seien sie dort «nur» zu viert und würden sich sehr über Zuwachs freuen, so die Präsidentin.

 

Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft

 

Nichtsdestotrotz habe auch das Coronajahr seine guten Seiten. Eine zumindest. «Man muss sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren», sagt Niederberger. Und sie blickt hoffnungsvoll auf das kommende Jahr. «Es wäre sehr schön, die nächste GV wie geplant durchführen zu können.» Zwar ist das Jubiläumsjahr des Frauenbunds Nidwalden bald verstrichen, aber auch 2021 jährt sich ein Ereignis, das über den Verein hinaus grosses Gewicht hat. Das Frauenstimmrecht in der Schweiz wird 50 Jahre alt.

 

Passend dazu habe man zum geplanten Vorstandstreffen kommenden Februar Landratspräsidentin Therese Rotzer-Mathyer eingeladen. Sie referiert über die Geschichte des Frauenstimmrechts und über Frauen in der Politik. «Wir sind gespannt und freuen uns auf sie», so Vreni Niederberger.