Junge Zuger zimmern ihr eigenes Heim

 

An der Chamerstrasse im Herzen von Hünenberg steht das «Casa de la punta». Vier junge Heimwerker haben damit Grosses vor: Bis zum 1. August bauen sie das alte Haus eigenhändig um, damit darin eine Wohngemeinschaft entstehen kann.

 

Im ersten Moment fällt das Wohnhaus gegenüber der Bushaltestelle «Hünenberg Dorf» kaum auf. Doch seit einigen Wochen tut sich etwas im «Casa de la punta»; eine vierköpfige Gruppe junger Zuger ist seit dem 18. Juni dabei das ältere Haus in Schuss zu bringen und auf die künftige Wohngemeinschaft vorzubereiten. Die Idee für das Projekt wurde ihnen sozusagen vorgelegt. «Dieses Haus gehörte einst meinen Grosseltern und meine Mutter wuchs hier auf. Sie selbst ist begeistert von unserem Vorhaben und unterstützt uns in jeglicher Hinsicht», erzählt Marvin Lichtsteiner.

 

Das circa 1914 erbaute Haus diente zuerst als Schweinestall bis es 1926 zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Nun machen es die vier Jungs «WG-tauglich»; auf eigene Faust. (Bild: Kristina Gysi)
Das circa 1914 erbaute Haus diente zuerst als Schweinestall bis es 1926 zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Nun machen es die vier Jungs «WG-tauglich»; auf eigene Faust. (Bild: Kristina Gysi)

 

Sportlich, aber machbar

 

Bei einem Rundgang durch das Gebäude wird klar, wie viel die Jungs mithilfe ihrer Freunde und Bekannten bereits geschafft haben. Ein Grossteil der alten Holzwände wurde entfernt, die Isolation erneuert, Böden fehlen, lose Kabel und Röhren hängen aus den Wänden und neue Pfeiler wurden eingebaut. Im Dachstock richten sich Marvin, Stephan, William und Marc die Schlafzimmer ein. «Am 1. August wollen wir einziehen», meint Willy, der Fachmann im Casa de la punta. «Ganz schön sportlich, schon klar», fügt er grinsend hinzu. Als gelehrter Zimmermann ist er eigentlich der einzige der Vier, der tatsächlich weiss, wovon er redet.

 

Und doch läuft alles wie am Schnürchen; bisher seien keine grösseren Probleme und Strapazen angefallen, einzig ein offen gelassenes Dachfenster habe bei Niederschlag für etwas Wirbel gesorgt. «Das war aber nicht weiter schlimm», winkt Marvin ab. Eine unangenehme Überraschung gab es beim Entfernen der Decken. Willy erklärt: «Schlacke ist ein metallisches Abfallprodukt, das früher in Zwischenböden gelagert wurde. Unter anderem wurde dadurch der Schallschutz erhöht. Ich hatte erwartet, dass in den Zwischenböden etwas drin ist, jedoch habe ich nicht mit Schlacke gerechnet, da diese meist im Raum Zürich verwendet wurde.» Rund 700 Kilogramm der zähen Masse mussten entfernt werden. Ansonsten blieb der Umbau bisher hürden- und unfallfrei.

 

Von links: Marc Schaffo (24), Stephan Heinecke (24), William Kläy (24) und Marvin Lichtsteiner (23). (Bild: Kristina Gysi)
Von links: Marc Schaffo (24), Stephan Heinecke (24), William Kläy (24) und Marvin Lichtsteiner (23). (Bild: Kristina Gysi)

 

Fleissige Helfer

 

Die Arbeit am Haus fällt in die Freizeit der vier «Bastlis». Kein Problem für die Studenten der Gruppe, Marvin und Marc: Ihre freie Zeit nutzen sie gerne für den Umbau des Hauses. Stephan hat vor Kurzem gekündigt und geht nun ebenfalls dem sinnreichen Zeitvertrieb nach. «Eigentlich ist der, der am meisten fehlt auch der, den wir am meisten brauchen », lacht Marvin. Zimmermann Willy sei berufstätig und komme deswegen jeweils abends und an den Wochenenden vorbei. «Es klappt trotzdem sehr gut. Er zeigt und erklärt uns jeweils, was ansteht. Dann können wir auch ohne seine Anwesenheit weiterarbeiten.»

 

Zudem seien viele fleissige Helfer ein weiterer Grund für das schnelle Vorankommen. «Wir werden nach der Fertigstellung des Hauses für alle ein grosses Helferessen spendieren », freuen sich die Vier bereits. Ebenfalls Hilfe werden sie bei den Stromarbeiten brauchen, so Marvin: «Wir haben einen Freund, der Stromer ist, und uns hier unter die Arme greifen kann. Auch bei den Sicherungen im unteren Stockwerk machen wir nichts selber, das wäre zu heikel.»

 

Einer der vielen Freiwilligen bei der Arbeit. Auch dank den zahlreichen hilfsbereiten Freunden und Bekannten geht es im Casa de la punta zügig voran. (Bild: Kristina Gysi)
Einer der vielen Freiwilligen bei der Arbeit. Auch dank den zahlreichen hilfsbereiten Freunden und Bekannten geht es im Casa de la punta zügig voran. (Bild: Kristina Gysi)

 

Die Speerspitzen

 

Den Umbau bezahlen Marvin, Willy, Stephan und Marc aus der eigenen Tasche. In ungefähr zehn Jahren werde das Haus aufgrund der Erweiterung einer Überbauung ersetzt – also planen sie den Umbau so, dass das Casa de la punta für mindestens zehn weitere Jahre gut bewohnbar ist. Und woher der spanische Name? Die Frage löst Gelächter aus. «Seit vielen Jahren haben wir einen Gruppenchat mit dem Namen 'Speerspitzen?. 'Punta? ist Spanisch und bedeutet 'Spitze?. Passt also. Eine andere Bedeutung in Spanisch wäre 'Haus des Trinkgeldes? – ebenfalls passend», erklärt Marvin lachend.