Lokales Label will Teekultur in der Schweiz neu aufleben lassen

Die Festtage dürften heuer bei den meisten weniger gesellig ausfallen als in vergangenen Jahren. Die passende Zeit, um etwas mehr auf sich selbst zu achten. Agnes Immersi aus Hergiswil weiss, wie: mit Tee.

 

Eigentlich wollte sich der chinesische Kaiser Shen Nung vor rund 5000 Jahren nur ein paar Schlucke heisses Wasser gönnen. Doch dann entdeckte er per Zufall ein heute weltbekanntes Getränk. So zumindest die Legende. Über Tausende von Jahren etablierte sich Tee in fast allen Teilen der Welt.

 

Doch «Tee ist nicht gleich Tee», erklärt die Nidwaldnerin Agnes Immersi. Seit Anfang Jahr betreibt sie in Hergiswil ein Teelabel im Onlinehandel. Die bisherige Bilanz deutet auf eine erfolgreiche Zukunft.

 

Die Schweiz ist noch kein Teeland

«Es ist Zeit für etwas Neues», sagte Agnes Immersi vor zwei Jahren zu ihrem Mann. Die 43-Jährige ist keine Frau der leeren Worte: Im März dieses Jahres gründete sie in Hergiswil Avantcha – ein Teelabel, das mit raren Teesorten feinster Qualität wirbt. Auf die Idee dazu brachte sie Markus Zbinden, ein Freund, der vor sechs Jahren eine Firma unter gleichem Namen in Dubai gegründet hatte.

 

Agnes Immersi, Gründerin von Avantcha in Hergiswil. (Bild: PD)
Agnes Immersi, Gründerin von Avantcha in Hergiswil. (Bild: PD)

 

Gemeinsam sind sie nun daran, die Teekultur auch in der Schweiz zu etablieren. Wie läuft es bisher? «Mit der ganzen Situation rund um Covid-19 hatten wir hier natürlich keinen optimalen Start, finden aber trotzdem Anklang», erzählt Immersi. «Trotz der aktuellen Situation und der Ungewissheit machten wir bereits einige gute Geschäfte. Der Trend geht definitiv in die Richtung des gesunden Lifestyle.» Und das, obwohl die Schweiz eigentlich kein Teeland sei: «Natürlich, auch hier wird Tee getrunken. Aber er hat nicht den gleichen Stellenwert wie zum Beispiel in arabischen Ländern.» Wenn man hierzulande einen Tee bestelle, bekäme man meistens eine Tasse mit heissem Wasser und einen Teebeutel aus dem Supermarkt. «Pfefferminze, Kräuter oder Kamille. Das war's dann auch schon. Dabei ist Teetrinken so viel mehr.»

 

Also setzte sich Immersi zum Ziel, den Menschen in der Schweiz einen Zugang zum Teelifestyle zu gewährleisten. «Tee ist nicht nur zum Trinken gut, er lädt auch zum Experimentieren ein», so die selbst ernannte «junge Geniesserin». Man könne damit auch kochen und backen. «Und dazu ist er halt noch wahnsinnig gesund.» Gerade in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling sei es wichtig, sich zwischendurch auszuklinken. Eine eigene Wohlfühloase zu erschaffen, in der man innehalten und durchatmen könne. Den Lifestyle des Tees zu zelebrieren, kann laut Immersi für schnelle und effiziente Erholung sorgen. Zudem sei das Teetrinken eine soziale Angelegenheit:

 

«In den Ländern, wo Teetrinken zelebriert wird, sitzen Menschen zusammen, tauschen sich aus und erkundigen sich nach dem Befinden

des anderen.»

 

Und das sei doch etwas Schönes.

 

Von bunten Tassen, Herzchen und Blümchen

 

Markus Zbinden sitzt im Hauptquartier des Unternehmens in Dubai. Eine Geschäftsreise brachte ihn vor sechs Jahren in die Grossstadt. Seither pendelt er zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Schweiz hin und her. Stets mit im Gepäck: Seine Mission, die Teekultur nach Europa und insbesondere in die Schweiz zu bringen.

 

Markus Zbinden, Gründer des Labels Avantcha in Dubai. (Bild: PD)
Markus Zbinden, Gründer des Labels Avantcha in Dubai. (Bild: PD)

Wie wichtig es ihm ist, den Lifestyle rund um den Tee wiederzubeleben, hört man selbst durch das Headset. «Wenn ich Bekannte frage, ob sie Tee trinken, ist die Antwort oft: ‹Nur, wenn ich krank bin›», erzählt Zbinden. Er verstehe das, denn er sei, so wie Immersi, kein Fan der kommerziellen Supermarktprodukte. «Sie machen nicht unbedingt Lust auf mehr.»

Jedoch sei auch der Ruf des Getränks ein Problem: «Wir möchten dem Tee das grossmütterliche Image nehmen», so der gebürtige Berner. «Wenn man einen Teeladen erwähnt, denken doch die meisten Leute an verschiedenfarbige Tassen mit Herzchen und Blümchen und an Tischsets mit Spitzenrändern.» Das Ziel von Avantcha sei es, das Teetrinken auf eine neue, moderne und minimalistische Art wieder attraktiv und zugänglich zu machen.

 

Bisher sieht es vielversprechend aus für Agnes Immersi und Markus Zbinden. Das Weihnachtsgeschäft laufe sehr gut; das gebe Vertrauen in die Zukunft. Trotzdem glauben sie, dass sie sich bis zur grossen Nachfrage wohl noch etwas gedulden müssen: «Bis es den Gastrobetrieben wieder etwas besser geht», so Zbinden.