Zuger Rapper begeistert mit seinem neuen Song

Zuger Woche, Juni 2020

Er ist in der Zuger Musikszene bekannt für Texte mit Tiefgang und geistreiche Reime: Fabian Weibel alias "Weibello". Auch sein neuer Song «Gwunne» regt zum Nachdenken an.

 

Ab dem 6. Juni startet für die Schweizer Bevölkerung die Rückkehr zur Normalität. Die ausgebeulte Jogginghose wird durch eine anständige Jeans ersetzt, das Weinglas in der Früh weicht dem Morgenkaffee, und der mühselige Gang vor den Computer im Nebenzimmer wird durch die Tramfahrt ins Büro ersetzt. Kurzum: Eine ungewöhnliche Zeit nimmt ihr Ende. Eine zugleich mühselige und langweilige, jedoch auch spannende und lehrreiche Zeit. Man kochte, nähte, lernte Sprachen, las, machte Sport, ass, bastelte und flickte. Und Fabian Weibel, der veröffentlichte einen Song.

 

Mit dem Zug durch Deutschland

 

Entstanden ist der Track «Gwunne» von Rapper Fabian Weibel alias "Weibello" auf einer zehntägigen Reise. Der junge Künstler unternahm sie, um «einfach mal abzuschalten». So hockte sich der gebürtige Menzinger in die Bahn, tuckerte durch Deutschland, sah, lernte, hinterfragte und verstand. Mit im Gepäck: Beats des Berner Drummers «Reel Beetz» – Joel Studler. «Kennengelernt habe ich Joel bei einer Jam-Session in Bern. Er schlug vor, einen gemeinsamen Song zu produzieren, blieb hartnäckig und gab mir den Beat für ‚Gwunne’ schliesslich auf meine Reise mit. Der Text dazu war dann relativ schnell im Kasten», erzählt "Weibello". Ein Tag nach der Heimkehr seiner Deutschlandreise stand er im Berner Studio und nahm den Song auf – bis zur Veröffentlichung zog sich die Zeit jedoch noch ein wenig hin.

 

Weibello landet mit dem Song «Gwunne» einen weiteren Treffer ins Schwarze. (Bild: PD)
Weibello landet mit dem Song «Gwunne» einen weiteren Treffer ins Schwarze. (Bild: PD)

 

Tiefgang und Ehrlichkeit

 

Am 29. Mai war es dann endlich so weit. Auf dem YouTube-Kanal «Weibello Music» erschien ein neues Lied samt Musikvideo. Bis heute ergatterte «Gwunne» auf der Videoplattform über 1'000 Klicks, beim Streaminganbieter Spotify wurde er bereits über 5'000 Mal angehört – und die Zahlen wachsen stetig weiter. Einmal mehr stellt "Weibello" sein Flair für ausgeklügelte und tiefgründige Texte unter Beweis. Er singt über den Druck der heutigen Gesellschaft, die Überwindung dessen und das Finden seiner selbst. Jede Zeile entspringt aus eigenen Erfahrungen und inneren Kämpfen, überzeugt durch Tiefgang und Ehrlichkeit.

 

«Die Gesellschaft gibt so vieles vor. Man muss ein Studium absolvieren, um Jemand zu sein. Auch ich habe mich durchgewürgt und stand schlussendlich mit einem Job da, der mich nicht komplett erfüllte und mich meine Kreativität nicht vollends ausleben liess. Ich versuche mich Tag für Tag gegen die Normen der Gesellschaft zu stellen und wider aller Gegenwehr meinen eigenen Weg zu gehen, auf dem ich mich eines Tages vollkommen entfalten kann.» Darauf beziehe sich auch die Songzeile «[...] bliebe Prinzipie nömme treu, probiere lieber öppis Neus [...]» Das Lied scheint eine Wendung im Leben des Musikers zu veranschaulichen. So singt er auch, dass er einige Zeit gebraucht habe, um sein Lachen wiederzufinden; doch jetzt habe er es zurückgewonnen.

 

Fabian Weibel mit seinem Drachen am Sihlsee in Einsiedeln. (Bild: PD)
Fabian Weibel mit seinem Drachen am Sihlsee in Einsiedeln. (Bild: PD)

 

Drache als Symbol der Freiheit

 

Das Musikvideo zum Lied hätte "Weibello" gerne in Deutschland gedreht, wo das Lied seine Formen angenommen hatte. Leider habe ihm das Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht: «Letztendlich drehten wir den Clip am Sihlsee in Einsiedeln, der zurzeit ausgetrocknet ist und deshalb wie ein Strand aussieht. Mit dem Resultat bin ich mehr als zufrieden.» Die zwei Videoproduzenten, Luca Bermúdez und Jean-David Jamet, kannte er bereits vom Dreh des Clips «Guet wies isch» mit seiner Band «Weibello And The Gang» und schwört auf ihr Können.

 

Das Video zeigt den gelehrten Sattler beim Nähen eines Drachen, den er später am vermeidlichen Strand durch die Winde segeln lässt. Was es mit dem fliegenden Spielzeug auf sich hat, wird klar, als Fabian aus seiner Kindheit erzählt. «Schon als kleiner Junge habe ich meinen Drachen auf jede Ferienreise mitgenommen und an den verschiedensten Orten steigen lassen. Als ich ihn etwa zwanzig Jahre später im Haus meiner Eltern wiederfand, nahm ich ihn mit auf meinen Trip durch Deutschland und liess ihn in Hamburg, Rostock und Berlin durch die Lüfte segeln. Später nähte ich für den Clip einen neuen und liess diesen am Sihlsee steigen. So entstand der Videoclip für den Song.» Den Drachen könne man als Symbol der Freiheit deuten, die jeder ein Stück weit selber in der Hand habe und lenken könne. Natürlich gebe der Wind den Ton an, doch sei es an uns, die Stricke so zu ziehen, damit er fliegt, wie wir das möchten.