Lesen aus Leidenschaft

Lesen öffnet Augen - meine liebsten Bücher.


Léon und Louise von Alex Capus

Diese Liebesgeschichte geht unter die Haut

Mit Léon und Louise hat Capus ein durch und durch ungewöhnliches Liebespaar auf Papier gebracht. Eine Liebe, die keine Zeit kennt, zwei ganze Leben lang erhalten bleibt und doch nicht gelebt werden kann. Zu jeder Zeit eine besinnliche, unterhaltsame und wahnsinnig gut geschriebene Geschichte über das Leben und wie es seinen Lauf nimmt, ohne dass man etwas daran ändern kann. Ganz nach dem Zitat von John Lennon: «Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu schmieden.»

 

Kein Ende ohne Anfang
In jungen Jahren lernen sich die Protagonisten Léon und Louise in Frankreich kennen und lieben. Jedoch werden sie durch den ersten Weltkrieg getrennt. Jahrelang haben sie keinen Kontakt, halten einander für tot. Léon heiratet und wird Vater, während Louise ihr eigenes Leben lebt. Doch dann begegnen sie sich eines Tages und viele Jahre später in der Pariser Métro wieder...

 

Ein Meister des Schreibens

Alex Capus Schreibstil ist ebenso so einfach wie brillant. Mit wenigen Mitteln und in süffiger Sprache umschreibt er seine Geschichten so bildlich, dass man sich nach wenigen Sätzen an besagtem Ort befindet. Sehr detailreich schabt er immer wieder haarscharf an der Grenze zum Kitsch vorbei, jedoch so bewusst, dass man nicht genug davon bekommen kann. Léon und Louise
ist die untypischste Liebesgeschichte, die man sich vorstellen kann. So
viele Ecken und Kanten, unperfekt, aus weiter Ferne, kompliziert und
doch so schön. Ein wahres Meisterwerk des talentierten Schreiberlings.



Eine kurze Geschichte der Menschheit von Yuval Noah Harari

Eine kleine Zeitreise

In einfacher Sprache und mit viel Humor führt Yuval Noah Harari in die grossen Geheimnisse der menschlichen Geschichte ein.

 

«Eine kurze Geschichte der Menschheit» ist eine Wucht von einem Buch. Mit unglaublichem Scharfsinn, in verständlichen Worten und mit viel Humor erzählt Harari die Geschichte der Menschheit von ihren Ursprüngen bis in die heutige Zeit. Gekonnt bindet er psychologische, wirtschaftliche, ethnische und gesellschaftliche Aspekte mit ein und schafft so eine spannende Mischung verschiedenster Thematiken innerhalb eines grossen Themas: Wo kommen wir her und was machen wir hier? Ein klein wenig gesellschaftskritisch und mit etwas Zynismus regt der Autor zum Nach- und Weiterdenken an. Aufmerksam und geduldig widmet er sich allen wichtigen Bereichen und interessanten Sparten in der Geschichte der Menschheit und besticht durch genaue Recherchen und ein unglaubliches Mass an Wissen und Verständnis für das Verhalten des menschlichen Wesens. Seite um Seite wird der Leser mit neuen, spannenden Fakten versorgt und er erfährt Dinge, an die er tragischerweise noch nie zuvor einen Gedanken verschwendet hat.



Phantasien von Jason Starr

Im Strudel der Gefühle

Ein wohlhabender Wohnort in New York. Eine hübsche Strasse und eine Nachbarschaft voller Geheimnisse - willkommen in der Savage Lane.

 

Jason Starr durchwandert in seinem Buch alle Abgründe der menschlichen Psyche. Auf einem schmalen Grad schwankt er in seiner Erzählung zwischen Intrigen, Geheimnissen, Liebe, Hass, Verrat und Loyalität. Und daraus entsteht: eine Mischung zwischen «Pretty Little Liars», «Sex And The City» und «Gossip Girl». Doch wer nun denkt, das Buch sei nur für Frauen geschrieben worden, irrt sich gewaltig. Mit bewundernswertem Einfühlungsvermögen erweckt Starr die weiblichen sowie die männlichen Charaktere des Buches zum Leben und schafft so ein authentisches, realistisches Werk sowohl für Frauen als auch für Männer.

Doch es ist Vorsicht geboten; nicht alle Bücher werden mit einem Happy End aus der Hand gelegt ...

 



Fay von Larry Brown

Eine Geschichte wie ein stürmisches Sommergewitter ...

Die 17-jährige Fay flüchtet vor ihrem gewalttätigen Vater und ihrem Leben in Armut. Mit einer Packung Zigaretten und wenigen Dollars macht sie sich auf den Weg. Bei ihrer ziellosen Reise begegnet sie vielen Menschen. Doch wem kann sie trauen?

 

Eine Achterbahn der Gefühle

Der Einstieg in das Buch fiel mir schwer. Mehrere Male überlegte ich, es zur Seite zu legen, denn Browns Schreibstil kam mir zunächst extrem langatmig vor. Doch ich merkte bald, dass dies seine Taktik ist. Der Autor versteht es, den Spannungsbogen so weit auszubauen, bis es beinahe langweilig wird, um dann im richtigen Moment einen Knall zu bringen, der das Weiterlesen wortwörtlich erzwingt. Mit beinahe zitternden Händen verfolgte ich das faszinierende junge Mädchen auf ihrem Weg neben dem Highway und nicht selten ertappte ich mich dabei, wie ich angespannt die Luft anhielt. Brown ist es gelungen, jeder Person des Buches einen greifbaren, ja sogar einen realistischen Charakter einzuhauchen, was die Lektüre zu einem einzigartigen Erlebnis macht. Die Geschichte birgt so viele Genres, dass es mir unmöglich erscheint, es in eine Sparte einzugrenzen. Es geht von einer Lebensgeschichte über einen Thriller bis hin zu einer herzzerreissenden Liebesgeschichte, die Brown ganz ohne Kitsch wahnsinnig gut verfasst hat.

 

Kleine Kritik

Natürlich kann man über die meist eher kultivierte Ausdrucksweise einer 17-Jährigen diskutieren, die in einigen Situationen des Buches nicht wirklich passend ist. Das ist jedoch mein einziger Kritikpunkt.



The Hate U Give von Angie Thomas

Aufstehen. Reden. Bewirken.

Starr Carter, 17 Jahre alt, wohnt mit ihrer Familie in einem unruhigen, von Bandenkriegen durchzogenen Vorort in den USA. Bereits als kleines Mädchen muss sie der Gewalt, welche in ihrem Viertel herrscht, in die Augen sehen und lernt früh, dass in Garden Heights das Wort «Gerechtigkeit» nicht sehr gross geschrieben wird. Als sie mitansehen muss, wie ihr bester Freund grundlos von einem Polizeibeamten erschossen wird, merkt sie, dass sie nicht länger nur zusehen kann. Sie beschliesst aufzustehen und zu reden. Auch wenn sie sich damit selbst in grosse Gefahr bringt.

 

Ein Plädoyer an den menschlichen Verstand
Angie Thomas schuf mit ihrem Roman ein Plädoyer an den menschlichen Verstand und regt mit ihren Worten zum Nachdenken an. In vorsichtig gewählten Sätzen bahnt sich die Autorin mithilfe ihrer selbstgeschaffenen Protagonistin – Starr Carter – einen Weg zum Herzen und zum Verstand des Lesers. Themenbereiche wie Polizeigewalt, Rassismus, Unterdrückung von Minderheiten und Bandenkriminalität werden höchst realistisch dargestellt und behandelt. Zudem spielen Selbstverwirklichung, Loyalität, Toleranz, Gleichberechtigung und Vertrauen eine grosse Rolle und werden in Form von authentischen Alltagssituationen veranschaulicht.

 

Ein Meisterwerk
Mit ihrem Debütroman«The Hate U Give» hat Angie Thomas ins Schwarze getroffen. In Amerika ist der Roman in den New York Times-Bestsellerlisten direkt auf Platz Eins in der Sparte «Junge Erwachsene» eingestiegen und hält sich noch immer wacker in den oberen Rängen. Ein tolles Buch über zeitlose und wichtige Themen!



Den Vater töten von Amélie Nothomb

Als der junge Trickkünstler Joe mit vierzehn Jahren von seiner Mutter vertrieben wird, landet er bei Norman – einem grossen Magier, der mit seiner Lebensgefährtin, Feuertänzerin Christina, in Reno, Nevada, wohnt. Der Junge verliebt sich leidenschaftlich in die schöne Frau und hat bald nur noch ein Ziel

vor Augen: Christina für sich zu gewinnen und Norman loszuwerden.

 

Dass Amélie Nothomb mit der Schilderung menschlicher Gefühle zu spielen weiss, ist bereits bekannt. Auch im Roman „Den Vater töten“ setzt die belgisch-französische Bestsellerautorin auf ein Wechselbad der Emotionen, schickt den Leser vom Regen in die Traufe, nur um ihn kurze Zeit später auf Wolke sieben schweben zu lassen.

Gerade einmal 120 Seiten braucht Nothomb, um aus den drei Figuren Menschen aus Fleisch und Blut zu machen – und die haben es in sich. Denn was vorerst als eine vergängliche und harmlose erste Liebe erscheint, entwickelt sich schnell zu einer gefährlichen Besessenheit, die das Verhältnis zwischen Norman und seinem Schützling Joe zu stören vermag – und dieses ist schon kompliziert genug. Denn was die beiden Männer füreinander empfinden, reicht von grosser Zuneigung bis hin zu überwältigendem Hass.

 

Einzig Christinas Haltung bleibt in der Geschichte weitgehend unklar. Nothomb gelingt es, eine Frau zu schaffen, die in jeglicher Hinsicht unfassbar ist, was wohl dazu beiträgt, dass auch der Leser sich mit jeder Seite stärker zu der geheimnisvollen Frau und ihrem beneidenswert ausgeglichenen Gemüt hingezogen fühlt. Ebenso beginnt man zu verstehen, in welch verzweifelter Situation sich der junge Joe befindet, dessen Sehnsucht mit jedem Wort deutlicher wird. Die unerwiderte Liebe des jungen Kartentricksers nagt

an seinem bereits mangelhaften Selbstbewusstsein wie ein Geier am Aas. Er steigert sich in ein rasantes und gefährliches Wechselspiel zwischen Zweifel an der eigenen Person und übertriebenem, falschem Narzissmus. Immer deutlicher werden sein Verlangen nach der scheinbar unerreichbaren Angebeteten und die Feindseligkeit gegenüber seinem Kontrahenten, der wiederum nur eines will: Joe ein guter Vater sein.

 

Die Magie – mit der alles begonnen hat – zieht sich als immer wieder auftretende Nebensache durch die Erzählung. Welch grosse Rolle sie schlussendlich tatsächlich spielt, erfährt der Leser jedoch erst auf den

letzten zehn Seiten des Buches – und kommt damit in den Genuss von Amélie Nothombs grossem Talent: Geschichten wider aller Erwartungen ausgehen zu lassen. Freunde des bildlichen Schreibstils werden in Amélie Nothombs Erzählungen nur teilweise fündig. Ihre Ausdrucksform begrenzt sich auf das Nötigste; die Sätze sind knapp und verzichten weitgehend auf ausschweifende Floskeln oder auf in Bild gesetzte Sprache. Schnelle und einfache Dialoge verleihen der Erzählung Lebendigkeit, ein rasches Tempo hält den Leser auf Trab. Während einige Absätze eher einem

Theaterskript als einem Roman gleichen, widmet sich die Autorin in anderen Teilen des Buches einer beinahe philosophischen, jedoch niemals von der Handlung abschweifenden Sprache. So gelingt es Amélie Nothomb auf kleinem Rahmen eine Geschichte zu erzählen, die in den Bann zieht und es kaum erlaubt, das Buch aus der Hand zu legen. Welchem Genre die Lektüre zuzuordnen ist, sei dahingestellt; so könnte sie zugleich eine Liebesgeschichte und ein Krimi, ein Gesellschaftsroman oder ein Drama sein. Eines ist sie

jedoch bestimmt nicht: ein simpler Roman.



Patriarchen von Alex Capus

Es sind bekannte Namen grosser Männer, die im Buch von Alex Capus Erwähnung finden. Bally, Nestlé, Lindt – was steckt hinter den seit Jahren fest verankerten Namen der Schweizer Firmenlandschaft? Welchen Einfluss hatte die Flucht von Konfessionsimmigranten auf die Uhrenindustrie und was trieb Maggi dazu, dass er seine Tochter beinahe nach Hülsenfrüchten benannt hätte? Wie wurde aus ‚Lindt’ ‚Lindt und Spüngli’ und wie wurde aus einem quasi wirkungslosen Hustensaft eines der grössten Pharmaunternehmen der Welt?

 

In kurzen Biografien schildert der begnadete Schreiberling Alex Capus die Geschichten egoistischer Unternehmer, grossartiger Tüftler allem voran: einflussreicher Schweizer Pioniere.