Alles von der seele schreiben

Meine Gedanken, mein Herz, mein Leben, meine Welt. - Sido


Oft frage ich mich: Warum sind wir so? Der Mensch, bekannt als das intelligenteste Lebewesen, welches je auf der Erde existiert haben soll, hat Tag für Tag nichts Besseres zu tun, als seinen eigenen Lebensraum zu zerstören, sich gegenseitig abzuschlachten und seinen hohen Intelligenzquotienten dafür zu nutzen, noch mehr davon zu schaffen, was schlecht für ihn ist.

 

Wie kann es sein, dass ein solches Wesen als «intelligent» bezeichnet wird? Eine Spezies, die sich willentlich ihr eigenes Grab schaufelt, egozentrisch handelt und so leicht zu beeinflussen ist? Geleitet durch ein selbst erschaffenes System, aus dem auszubrechen schier unmöglich ist, leben wir unser Leben im Wissen, einem Planeten in vollem Bewusstsein massiv zu schaden.

 

Das ist eigentlich paradox. Denn genauso schlau wie wir sind, sind wir auch dumm. Aber vielleicht liegt der Unterschied in etwas anderem; selbst wenn wir schlau sind, sind wir keineswegs weise.



Jeder von uns benutzt es, ein Wort, das in unserer Gesellschaft so verankert ist, dass es aus dem Wortschatz der Menschen nicht mehr wegzudenken wäre: Schönheit. Getragen von den Supermodels dieser Welt wird es heutzutage mehrheitlich benutzt um ein ebenmässiges und symmetrisches Gesicht, lange Beine und wallendes Haar zu umschreiben. Doch sollten wir diesen Begriff tatsächlich auf Äusserlichkeiten reduzieren?

 

Eine ganz andere Frage stellt sich in diesem Zusammenhang: Wer definiert den Begriff «Schönheit»? Die Macher von Beauty- und Modemagazinen, deren Mitarbeiter mehrfach Stunden mit der Retusche von Fotografien verbringen? Oder die Mitglieder der Jury von "Germany’s Next Topmodel", die in jeder Staffel das «perfekte» Mädchen suchen?

 

Schönheit kommt von Innen - wer denkt heute noch so? Geht es nicht in erster Linie darum, dass man aus seiner von der Natur geschaffenen Hülle das Beste herausholt? Stehen nicht deshalb Frauen aus aller Welt stundenlang vor dem Spiegel und würden es nicht mehr wagen, ohne Schminke das Haus zu verlassen, weil sie sich dafür schämen, was sie ohne die Kosmetik sind?

 

Mit jedem neuen Beautytrend und dem immerzu steigenden Schönheitswahn stellt die Gesellschaft ihre Oberflächlichkeit einmal mehr unter Beweis. Wir sollten aufhören, einander nur von Aussen anzusehen. Die wahre Schönheit eines Menschen erfährt man nicht durch das blosse Betrachten dessen. Stattdessen sollten wir wieder lernen, die Schönheit mit dem Herzen zu sehen – nicht mit dem Auge.



«Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt…» - Hermann Hesse

 

 

Stellen Sie sich vor, Sie spazieren an einem warmen, sonnigen Herbsttag durch einen Wald, den Blick auf die Füsse gerichtet, die sich Schritt für Schritt durch das trockene und bunte Laub arbeiten, das unter Ihren Füssen knistert.
Einige Sonnenstrahlen kämpfen sich durch das Dach aus Blättern und Zweigen und während Sie nach unten sehen, erkennen Sie, dass das Licht und das Dunkel ihren Körper streifen. Die Schatten der Bäume und das Licht der Sonne zeigen sich unregelmässig, aber stetig und ausgeglichen auf Ihnen, fast so, als würde es ohne das Eine das Andere nicht geben. Gleich unserem Leben: Ein ständiges Licht und Dunkel. Während wir im Licht schwelgen, uns gut fühlen und zufrieden sind, macht sich das Dunkel schon bereit, uns zu verschlingen, nur um später wieder vom Licht abgelöst zu werden, das die aufgewogenen, zerstörerischen Wellen glättet, die drohen, unsere Seele zu verletzen.
Ungefähr so würde ich das Schicksal beschreiben. Ein stetiger Wechsel zwischen hellen und dunkeln Tagen. Schönen Erinnerungen und schmerzhaften Erfahrungen. Willkürlich, mächtig, unberechenbar.
Und mit diesem Gang durch den Wald, mit jedem Schritt, jedem Fleck von Licht und Dunkel, sammeln wir das Wissen, das wir für unser Leben brauchen. Denn ja, wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt.



Oftmals frage ich mich, wie wir Menschen diesen ganzen Stress der heutigen Zeit aushalten. Gewiss, bereits früher gab es Eile, Hast und Zeitmangel. Doch in Zeiten von Handys, Internet und Autos hat sich dies noch gesteigert.

 

Alles muss schnell gehen, jeder muss überall der Erste sein, und alles muss sofort passieren. An geregelten Zeitabläufen darf unter keinen Umständen gerüttelt werden, denn dies könnte alles und jeden durcheinanderbringen. Wir hetzen von Meeting zu Meeting, von Treffen zu Treffen und wieder zurück, ohne uns grosse Gedanken darüber zu machen, wo die Zeit hinfliegt.

 

Nicht schlimm, finden Sie? Ziemlich schade, finde ich. Wir verplanen jede Minute unseres Lebens mit Terminen, ohne uns zu fragen, wo die Zeit hinfliesst. Und bereits ist es wieder November und ein weiteres Jahr geht zu Ende, ohne dass wir wirklich wissen, was wir diese 365 Tage lang eigentlich getan haben.

 

Natürlich finde ich, dass wir hier sind, um eine möglichst tolle Zeit zu haben, nicht um eine möglichst lange Zeit zu haben. Aber gerade deshalb sollten wir wieder anfangen, das was wir machen in vollem Bewusstsein zu tun. Wir sollten uns Zeit nehmen für die Dinge, die wir lieben und manchmal einen Moment innehalten, um zu merken, wie schön das Leben sein kann, wenn wir uns nur ein bisschen mehr darauf achten.

 

Wann haben Sie das letzte Mal etwas getan, das nicht Ihrem geregelten Tageslauf entsprach? Wann sind Sie das letzte Mal aus dem Alltag ausgebrochen, um zu merken, dass es noch etwas anderes gibt als die Welt, in der Sie Tag für Tag leben?

 

Keine Zeit dafür, sagen Sie? - Wir haben alle gleich viel Zeit, 24 Stunden am Tag. Die Frage ist nur, wie man sie nutzt.

 

Also hier eine Idee: Wenn Sie das nächste Mal von der Arbeit nach Hause gehen, machen Sie doch einen erfrischenden Abstecher durch die Herbstlandschaft.

 

Ich für meinen Teil weiss, dass ich oftmals alles etwas zu gelassen angehe. Aber trotzdem denke ich mir oft: Vielleicht bin ich gar nicht zu langsam, sondern alle anderen ein wenig zu schnell…



Reichtum. Was schiesst Ihnen beim Lesen dieses Begriffs als erstes durch den Kopf? Lassen Sie mich raten – ein Haufen Goldmünzen oder ein Bündel Banknoten? Keine Sorge, das ist normal und ergeht bestimmt nicht nur Ihnen so. Doch nun eine Frage: Weshalb assoziieren wir das Wort Reichtum mit Geld? Ist Reichtum ausschliesslich materiell zu werten oder birgt das Wort eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten? Entscheidet jeder Mensch individuell, was Reichtum bedeutet oder hat die Gesellschaft den Begriff bereits so weit in eine ökonomische Richtung geleitet, dass er nur noch auf diese Weise zu verwenden ist?

 

Doch lassen Sie uns diese Sache einmal aus einer anderen Perspektive betrachten. Kann man auch reich sein, ohne dass man viel Geld hat? Wie wäre es zum Beispiel mit Glück und Lebensfreude – eine andere Art von Reichtum? Oder braucht es zum Glücklichsein Geld? Und wie steht es mit der Lebensfreude? Ist diese die Angelegenheit eines jeden einzelnen Individuums oder kann sie nur durch Anpassung an das wirtschaftliche System erreicht werden? Also stellt sich hier dieselbe Frage: Braucht es Geld, um sich als «lebensfreudig» bezeichnen zu können? Und wenn Sie diese beiden Fragen mit «Ja» beantworten – sind Sie dann glücklich, oder nicht? Denken Sie darüber nach.



Schönheit, Trend, Normalität. Begriffe, die gerade in der heutigen Zeit eine enorm grosse Rolle spielen. Jeder will dazugehören, will cool und «In» sein, möchte gesehen werden - oder eben nicht.

 

Doch wer definiert, was schön oder «normal» ist? Was «In» ist und was nicht? Wer legt die Trends fest, die Mode und was cool ist? Wir leben in einer Welt voller Ideale, welche die Mehrheit der Menschen versucht zu erreichen. Wir schwimmen mit dem Strom, um nicht aufzufallen, obwohl wir das irgendwie doch wollen - bloss nicht negativ.

 

Es beginnt im Internet. Milliarden von Bildern werden täglich ins World Wide Web geladen, angeklickt, bestaunt, verschmäht und bewertet. Bilder von schönen Frauen in tollen Kleidern an paradiesischen Orten. Und Tausende jagen dieser Figur, diesem Kleid und diesem Leben hinterher.

 

Doch nun eine allgemeine Frage. Was, wenn der Mensch nicht so konzipiert wäre? Was, wenn jeder von uns darauf erpicht wäre, möglichst ein Individuum zu sein. Wenn sich jeder trauen dürfte, das zu sein, was er wirklich ist.

 

Denn genau das ist ein Problem, das schon im Kindergarten anfängt. Wenn alle einen Fidget Spinner haben, ausser dieses eine Kind, dann ist dieses eine Kind leider ganz bestimmt weniger cool. Und dann kommt die Oberstufe. Wenn jeder diese roten Sneakers trägt, ausser dieser eine Junge, dann ist dieser eine Junge bestimmt weniger lässig. Aber wieso?

 

Für mich habe ich eine eigene Theorie aufgestellt. Es ist die Angst des Menschen. Die Furcht davor, gegen den Strom zu schwimmen, anders zu sein, und so aufzufallen. Nicht in das Gesamtbild zu passen, es kaputt zu machen. Tag für Tag trimmt uns die Gesellschaft dazu, das zu tun, was «normal» ist. Doch wer bestimmt dieses Wort? Was ist «normal» überhaupt? Das Gesetz? Die Kultur und die Sitten? Der Idealismus?

 

Etwas, das ich mir sehnlichst wünsche ist, dass all diese Worte eines Tages begraben werden. Sodass jeder sich selber sein kann, ohne das Gefühl haben zu müssen, nicht dazuzugehören. Dass alles «normal» ist, was nicht «normal» ist.